Weisheit beginnt, wenn der Drang Spiele zu verstehen grösser geworden ist, als der Drang Spiele zu spielen

Denis H. Stephens

Was ist ein Spiel ?

Bei einem Spiel kann man drei Teile unterscheiden:

/ 1. Einen Spielgewinn, ein Motiv warum man spielt. Es ist befriedigend zu gewinnen, oder es gibt einen Preis.

/ 2. Freiheiten, das was erlaubt ist. Ein Turm beim Schach darf nur geradeaus ziehen.

/ 3. Die Grenzen, das was verboten ist. Die Regeln. Jeder darf beim Schach nur einen Zug machen.

Das Leben als Spiel zu sehen ist nicht "DIE" Wahrheit, aber ein sehr nützliches Denkwerkzeug. So ist es sinnvoll, das eigene Leben auf die Spiele zu untersuchen die man spielt, oft ohne es zu wissen.

Bei vielen Computerspielen kann man einen bestimmten Charakter wählen. (Den Krieger, den Magier, den Künstler etc.) Ähnlich dazu wählt man im Leben eine oder mehrere Charaktere.

Man spielt die Rolle des Chefs, des Ehemanns, des Lernenden, des Dummen oder des Geschickten, des Bastlers oder die des Zuschauers usw.

Und dies kann freiwillig geschehen oder gezwungenermassen (so scheint es jedenfalls).

Der Spielgewinn ist auf jedefall die gemachte Erfahrung, auch wenn man verliert. Misserfolge spornen normalerweise an es noch einmal zu versuchen, wenn es nicht zuviele davon gab.

Und wenn das Leben zu hart wird, vergisst man leicht, dass es eigentlich ein Spiel sein sollte. Dann erlebt man den "Ernst des Lebens", man kann nicht mehr verstehen, dass das Leben ein Spiel ist.

Gehen wir nun zunächst einmal von dem Standpunkt aus (ein Denkwerkzeug, nicht "DIE" Wahrheit), dass wir Seele sind.

Also nicht Materie, nicht Energie, nicht an Raum und Zeit gebunden. Eine Seele die sich aber mit ihrem Verstand und Körper identifiziert hat und nur noch von diesem Standpunkt aus denken kann, (was wir hier aber nicht wollen).

Das Wichtigste was es über diese Seele die wir sind zu wissen gibt ist, dass sie Schöpferkraft besitzt.

Sie schafft sich ihr eigenes Universum, (durch ihre Betrachtungen, Postulate, Entscheidungen)

Das gibt ein Spiel. Ihr Spiel.

Da sie aber anfangs allmächtig ist und so kein Spiel zustande kommen kann (denn ein Spiel MUSS Grenzen haben um ein Spiel zu sein) muss sie einen Teil vor sich selbst verbergen, sie muss sich begrenzen.

Wie kann sie sich begrenzen?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Sie kann z.B. vorgeben, gewisse Prinzipien nicht zu wissen. Oder sie kann beschliessen einige ihrer Fähigkeiten zu vermindern. Sie kann sich in einen Körper hineinbegeben und so von dessen Bedürfnissen abhängig werden. Sie kann Raum und Zeit als Anschauungsformen ihres Verstandes erschaffen und vorgeben nur an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit zu sein.

Sie kann mit gewissen Gesetzen, wie dem Karmagesetz übereinstimmen und sich dadurch diesen Gesetzen unterwerfen.

Sie kann in bestimmte Rollen schlüpfen und sich dann so mit diesen Rollen identifizieren, dass sie vergisst wer sie eigentlich ist.

Alles kann geschehen.

Aber immer geschieht nur das mit ihr, was sie selbst postuliert hat, womit sie einverstanden war, was sie entschieden hat, dass es für sie gelte.

Nun setzt sich das über lange Zeiträume fort. Das ursprüngliche Spiel wird vergessen, man beginnt ein neues Spiel ohne das alte zu beenden. Und dann wieder ein neues. Spiele werden unbewusst weiter verfolgt (denn die Postulate für diese Spiele bestehen ja weiter) . Es gibt grosse Spielzyklen, die viele Leben umfassen und kleinere Spiele für ein Leben. Und in einem einzigen Leben Spiele wie "Kinder gross ziehen", "ein Unternehmen leiten", "ein Hobby haben" usw.

All das überschneidet sich, stört sich oft (wenn grosse Spielziele kleineren Zielen entgegenstehen), läuft parallel, wird abgewertet, (das geht ja doch nicht), kurz, bildet manchmal ein heilloses Durcheinander.

Dazu kommen noch die Verwicklungen mit den Zielen anderer. Man übernimmt die Einstellungen, Meinungen, Indoktrinationen aus fremden Quellen. Man spielt selber das Spiel andere zu manipulieren und wird selber manipuliert. Man schliesst sich anderen Gruppen an und wird von deren Zustimmung abhängig. Und all diese Einstellungen, diese übernommenen Bedürfnisse, Bindungen realisieren sich im eigenen Leben, denn der Mechanismus, dass man allmächtig ist, dass Gedanken sich verwirklichen funktioniert immer noch, wenn auch sehr eingeschränkt durch lauter Gegen-Postulate.

Noch mehr Konfusion entsteht so.

Die Folge ist, dass ein einst allmächtiges Wesen sich selbst völlig blockiert hat.

Also nicht TUN kann, wie Ouspensky sagt.

Wir sind wie Mäuse in einem Käfig. Die Mäuse können sich im Käfig frei bewegen, was die Illusion von Freiheit erschafft. Aber je näher sie ihren Käfigstangen kommen, desto grösser wird die Abstossung. Die Allgemeinheit stimmt darin überein, dass es überhaupt keine Gitterstäbe gäbe, und das diejenigen, die solche sehen, wohl ein bischen verrückt wären.

Ja, und da sind wir nun !

Wie kann man da wieder herauskommen ? Das ist die Preisfrage.

Der erste Schritt ist wohl der zu erkennen WER WIR SIND.

Wenn ich eine biologische Maschine bin die nur einmal lebt, kann ich nicht glauben, dass es etwas anderes als "Ich-der-Körper" gibt.

Wenn ich aber erkenne, dass ich von dieser ganzen materiellen Welt nur das erkenne was mir mein Bewusstsein vermittelt und das deswegen das Bewusstsein - mein Bewusstsein - das primäre ist, dann habe ich einen anderen Standpunkt eingenommen.

Diesen brauche ich zunächst nicht "zu glauben".

Es genügt ihn als Denkwerkzeug anzunehmen und mit diesem Werkzeug einmal probeweise zu arbeiten. Viele Tatsachen werden dann auf einmal klar.

Der zweite Schritt ist es zu verstehen, wie ein unkörperliches Wesen wohl seine Welt gestalten würde.

Dies geschieht durch freie Entscheidungen, Betrachtungen, Einstellungen und Postulate, die diese unsere Welt gestalten, wie ich zuvor versucht habe zu zeigen.

Und der Weg heraus aus der Verwirrung ist der Weg hindurch.

Ich muss mir die Postulate, Betrachtungen, Spiele, Überzeugungen die mich dahin gebracht haben wo ich bin, wieder bewusst machen und durch neue ersetzen.

Da ich den Zustand in dem ich mich befinde selbst verursacht habe, darf ich ihn auch nicht ablehnen, verurteilen, abwerten.

Ich muss lernen alles was ist (was in meiner Welt ist) wertzuschätzen, zu lieben, zu erleben und zu fühlen - als MEINE Kreation.

Ich muss mich annehmen, wie ich bin.

Dann erst kann ich mich ändern.

Dann kann ich neue Postulate setzen.

Ganz praktisch und in aller Kürze:

a. Sich überlegen, was man verändert haben möchte.

b. Dies in einem positiven Postulat zusammenfassen

c. Dieses Postulat immer wieder ins Bewusstsein rufen.

d. Gegen-Postulate bewusst machen, wertschätzen, empfinden.

e. Die Überzeugungen auf denen die Gegenpostulate beruhen bewusst machen.

f. Zurück zu c. bis zur Verwirklichung.