Muss Leiden sein?

Ist Leiden nur die Folge von Missverständnissen?

Wenn der Körper ein Gift verschluckt "leidet" er. D.h. er bekommt Schmerzen, Krämpfe, etc. Wenn die Seele ein Gift verschluckt, leidet sie ebenfalls. Das Gift sind in diesem Fall unrichtige Vorstellungen, das was geglaubt wird, das mentale Bild der Wirklichkeit.

Not ist das Anzeichen für einen wirksamen Mangel im Gedachten. Das Leiden zwingt einem etwas zu TUN, um so die Not zu lindern (die Not zu wenden = not-wendig).

Leiden ist deswegen not-wendig, aber es muss nicht sein.

Es muss dann nicht sein, wenn man erkennt, was die unrichtigen Vorstellungen sind.

Opfer

Eine dieser Vorstellungen könnte z.B. sein, dass Opfer erbracht werden müssen, um selber Fortschritte zu erzielen oder anderen zu helfen. Dies ist eine Vorstellung die das Ego (das automatische Denksystem des Menschen) besonders liebt. Eine der raffiniertesten Fallstricke die es gibt.

Statt die eigene (in Wahrheit nur eingebildete, nicht wirkliche) Schuld (besser Verursachung) anzusehen, wird diese nach aussen auf andere projiziert und kann dann dort (vermeintlicherweise) abgetragen werden.
Da das aber nicht die wahre Ursache, also das Falsche Warum ist, kann das so nicht funktionieren, was natürlich in Folge dazu führt, dass man immer mehr vom Leiden der anderen auf sich nimmt.
Der Denkfehler dabei ist, erstens das Falsche Warum und zweitens, dass es keine Schuld vor Gott gibt, denn Schuld und Sünde sind mentale Vorstellungen des Egos selber. Die einzige "Sünde" die wir begehen ist die, uns von Gott getrennt zu haben und diese Sünde wird durch die Idee sich opfern zu müssen nur noch verstärkt.

Dazu kommt manchmal, dass jede Beziehung die das Ego zu anderen eingeht, auf die eine oder andere Weise auf der Idee beruht, es werde selber grösser, indem es sich für andere opfert. Es findet eine gewisse perverse Befriedigung darin sich selbst kleiner zu machen und die vermeintliche Schuld des anderen auf sich zu nehmen.

Zu leiden, weil man ein Opfer bringen will muss deswegen nicht sein. Die Idee des Opferns ist eine Idee die nur das Ego stärkt, das Spiele spielen will. Eine Idee der polaren Welt, denn bei Gott gibt es die Idee von Schuld und Sühne nicht. Dies ist nur eine Idee, um so Spiele spielen zu können.

Um die eigene unbewusste, verdrängte Schuld nicht ansehen zu müssen, sieht man sie bei anderen und fühlt sich gedrängt deren Karma abzutragen, indem man sich selbst opfert. Eine "Schuld" die bei Gott nicht existiert aber Grundlage des Egos ist, wird unbewusst nach aussen projiziert und dann versucht man sie bei anderen abzutragen.

Leider ist das nur eine der möglichen Fehlvorstellungen im Denksystem der Menschen, wenn auch eine häufige.
Sicher gibt es noch zahlreiche andere.

Deswegen kann Leiden not-wendig sein, um die eigene Fehlvorstellung zu berichtigen, muss aber nicht sein, wenn man diesen Mechanismus erkennt. Und wenn man ihn nicht erkennt, wird sich das Leiden verstärken.

Karma

Alles was jemand früher verursacht hat - an schlechten und guten Taten soll nach dem Karmagesetz auf den Täter zurückkommen..

In der Physik ist eines der Newtonschen Axiome "Actio gleich Reactio". Wenn ich die Wand schlage, schlägt sie mich mit gleicher Kraft zurück. Während diese Reactio im Physikalischen sofort erfolgt, soll sie im Mentalen erst mit einer gewissen Verzögerung einsetzen. So kann es geschehen, dass jemand ein Leben als Verbrecher ungestraft leben kann, dafür aber in den folgenden Leben die Reactio, also die Strafe dafür erfährt, z.B. indem er in den folgenden Leben andauernd das Opfer von Verbrechen wird.

Diese Hypothese könnte z.B. erklären warum Menschen unter so unterschiedlichen Bedingungen geboren werden. So hat der Sohn eines Bankiers im allgemeinen bessere Lebensaussichten, als der Sohn einer armen Familie in einem Entwicklungsland. Ein geistig Behinderter hat geringere Aussichten als ein Hochintelligenter.
Die Lebensumstände in denen sich jemand befindet spiegeln seine früheren Taten - und diese Taten wurden durch Denk- und Glaubenssysteme verursacht.

Wenn man davon ausgeht, dass jeder von uns Seele ist, eine Seele ausserhalb von Raum und Zeit, die sich selbst erst Zeit und eine Aufeinanderfolge von Leben kreiert, so erscheint das Karmagesetz eine vernünftige Annahme zu sein.

Oft ist aber das was daraus abgeleitet wird weniger vernünftig. So hört man manchmal, man müsse eben sein Karma zuerst abtragen bevor Erlösung/Erleuchtung/Befreiung oder was auch immer möglich sei.
Ich halte das für eine Falle.

Überlegen wir zuerst einmal, ob es überhaupt möglich ist Karma abzutragen. Karma hat einen reduzierten Bewusstseinszustand zur Folge. Je mehr Karma ein Wesen hat desto stärker lebt es in einer "Alltäglichen Trance" . Selbst wenn es in diesem Zustand Karma abtragen könnte, würde es durch diese Trance noch mehr und weiteres Karma ansammeln. So könnte es nie zu einem Ende kommen.

Die zweite Überlegung scheint mir noch wesentlicher. Wenn wir von einem Bild der Seele oder "des Wesens selbst" ausgehen, das sich durch Betrachtungen und Postulate seine eigene Welt erschafft, so wird es dabei anfangs "Fehler" begehen. Nehmen wir als Beispiel Jupiter der mit einem Blitz seine Gegner erschlägt.

Da das Wesen seiner Essenz nach "gut" ist, d.h. anderen nicht schaden will, wird es sobald es erkannt hat, dass es unbeabsichtigt geschadet hat, möglicherweise seine Fähigkeiten begrenzen. (Jupiter kann keine Blitze mehr schleudern). Dies könnte man dann als eine Karmareaktion deuten.

Nun ist wichtig das Motiv hinter dieser Selbstbeschränkung zu verstehen. Das Motiv war, nicht weiterhin unbeabsichtigt zu schaden. Es war aber unklar - deswegen unbeabsichtigt - weswegen oder wie oder in welchem Masse man geschadet hat.
Vorbeugenderweise, aus ethischen Gründen erfolgt dann die Selbstbeschränkung, durch Verminderung der Fähigkeit.

Sobald aber Wissen über die Gründe, das Ausmass oder die Art des Fehlers etc. angenommen wird, gibt es keinen Grund mehr für das Wesen seine Selbstbeschränkung aufrecht zu erhalten. Folgen von schlechtem Karma hat man also nur dann und solange zu ertragen, wie es einem unbekannt ist, wie das schlechte Karma zustande kam.

Und sind die Ursachen dieser Selbstbeschränkung der nativen Fähigkeiten des Wesens erkannt, so kehren die ursprünglichen Fähigkeiten zurück.

Und eben deswegen ist es wichtig die Art und Weise zu verstehen, wie anderen geschadet werden kann, denn meist geschieht dies heute unbeabsichtigt.

Wenn also Anhänger einer bestimmten Weltanschauung/Religion leiden und dies damit erklären man müsse eben sein Karma abtragen, so sollten die lieber ihre Anschauungen auf Mängel untersuchen. Solange sie diese nicht gefunden haben, wird das Karmaabtragen wohl nie zu einem Ende kommen.
Dabei sollte man unterscheiden zwischen eigenen Mängeln, (z.B.etwas nicht wahr haben wollen) und grundsätzlichen Mängeln im Denksystem dem man anhängt.
Eigenes vorurteilsfreies Denken und hören auf die innere Stimme ist wohl durch nichts zu ersetzen.

Deswegen stelle ich hier auch nur "Denkwerkzeuge", Hypothesen zur Verfügung. Du, lieber Leser musst entscheiden was Du für Dich verwenden kannst. Und höre dabei weniger auf andere, auch nicht auf mich, sondern auf Deine innere, untrügliche Stimme. Was ist es was DU glaubst? Zuvor aber solltest Du verstanden haben was andere zu sagen haben, wenn Du denkst dies wäre der Mühe wert.