Das Lust-Unlust Gesetz.

(Unter Lust soll hier ein innerer Antrieb verstanden werden, etwa in dem Sinne, wenn man sagt "ich habe keine Lust" oder vulgärer ausgedrückt "ich habe keinen Bock darauf".)

Das Wesen selbst ist die einzige Ursache. Aber das Wesen hat sich ein Via geschaffen, den Verstand.
(Ein Via ist ein Hilfsmittel, um etwas zu erreichen, was auch direkt erreicht werden könnte.)
Unter Verstand soll also nicht das Wesen selbst, sondern sein Werkzeug um zu Überleben verstanden werden.

Im Verstand läuft alles Denken/Handeln nach dem Lust-Unlust-Gesetz ab.
D.h. Gedanken laufen immer so ab, dass die damit verbundene Lust ein Maximum und die Unlust ein Minimum erreicht. Unangenehmes wird nur gedacht/getan, wenn damit eine grössere vorgestellte/erwartete Unlust vermieden werden kann.

Diesen automatischen, mechanischen Vorgängen steht die Postulatskraft des Wesens (auch Willenskraft oder Absicht genannt) gegenüber.
In den meisten Menschen reicht diese aber nur selten oder vorübergehend aus, die automatischen Abläufe zu überwinden.
(z.B. Wenn man an Neujahr gute Vorsätze fasst, oder endlich abnehmen will.)

Das Problem besteht also darin, sich selbst so wie Münchhausen, an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.

Dazu steht wiederum nur das Erreichen von Lust und das Vermeiden von Unlust als Antrieb zur Verfügung, plus eine meistens nicht ausreichende Postulatskraft.

Eine weitere manchmal sehr wichtige Rolle spielen die äusseren Verhältnisse, wie z.B. Umgebung, freie Zeit, etc.

(In einer gleichgesinnten Gruppe, d.h. günstige Umgebung gelingt dies leichter. Auch ein Mentor, echter Meister etc zählt hierzu)
Nun ist aber die gesamte Umgebung des Wesens ebenfalls eine Kreation des Wesens selbst. Allerdings eine oft zwanghaft geschaffene Kreation. (Wenn man z.B. durch Überwältigung mit den Postulaten anderer übereingestimmt hat und dadurch deren Umgebung für sich mit geschaffen hat).

Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus der Art der Motivation. Überwiegen die Lustgefühle, d.h. will man vorwiegend etwas Schönes erreichen, oder überwiegen die Unlustgefühle indem man vorwiegend etwas Negatives vermeiden will. So geht man anfangs in ein neues Unternehmen voller Freude und Erwartung hinein, die Lust überwiegt.
Dann treten Schwierigkeiten auf, aber man will ein Scheitern vermeiden und die Unlust macht sich bemerkbar.

Wenn man sich eine schönere Zukunft vorstellen kann, so ergibt sich Lust und dadurch eine so starke Motivation, dass eine geringe Postulatskraft ausreicht.

Wenn man aber glaubt zu erkennen, wie negativ diese Welt wirklich ist und sie deswegen vermeiden will, so ist der Antrieb das Vermeiden einer Unlust. Und das scheint weniger günstig zu sein, denn man hat den Focus seiner Aufmerksamkeit eher auf Negativem: "Was wird sein, wenn ich es nicht erreiche?".

Glücksgefühle motivieren. Das Gegenteil davon bremst.

Der Automatismus des Lust/Unlustgesetzes ist eine Spiegelung/Degradation der Sequenz von

Betrachtung ===> Wunsch ===> Postulat (Absicht) ===> Begründung(Rechtfertigung)..

Im Prinzip ein Via.

Interesse, Hoffnung, Erwartung von Angenehmen erzeugt Glücksgefühle und damit Lust. Dann können Dinge vollbracht werden, die vorher unmöglich waren. Wird aber die Hoffnung enttäuscht, so reicht die dadurch erzeugte Lust nicht mehr aus. Dann kann man nur noch mit Hilfe von Postulatskraft gegen die inneren Widerstände angehen.

Es entsteht Zwang, man will ein Scheitern vermeiden, das erzeugt erneute Unlust, die Widerstände werden dadurch grösser u.s.w.

Irgendwann gibt man dann auf. Und am Schluss steht die Rechtfertigung oder die Verdrängung dessen was abläuft.

(Siehe der Fuchs und die sauren Trauben: Der Fuchs springt lange Zeit vergeblich nach den süssen Trauben. Am Ende sagt er, "ach, ich wollte die Trauben ja gar nicht, weil sie eh zu sauer sind")

Das Lust-Unlust Gesetz beschreibt nun genau das Verhalten des Verstandes mit den darin enthaltenen zwanghaften Spielen.

Die Vorgänge in ihm laufen automatisch ab, Lust muss erreicht und Unlust vermieden werden. Je grösser der Zwang, je mehr zwanghafte Spiele aktiviert sind, desto weniger Handlungsfreiheit herrscht.

Aber man gewöhnt sich daran. Den anderen geht es doch ebenso. Und so ist der erste Schritt um aus einem Gefängnis zu entkommen zu erkennen, dass man sich in einem Gefängnis befindet.

Aber freilich ist auch das nur EINE Sicht der Dinge.

Und so wie man die Dinge sieht, so sind sie.


Anmerkung: Siehe zum Lust/Unlustgesetz auch den Artikel "Die Desuggestion".