Das "anatta"- Prinzip

Das Prinzip von "anatta" (nicht-selbst) ist das grundlegende Leitmotiv von Gotamos (Buddhas) Lehren und für alle Schulen des Denkens und Betrachtens von extremer Wichtigkeit - früher wie auch heute.

Es beschreibt den Umstand, dass ein Beobachter nur ein Objekt beobachten kann, das sich vom Beobachter vollkommen unterscheidet.

Dieses mag zunächst nicht sehr bedeutsam sein; die Konsequenzen sind jedoch so wichtig, dass dieses Prinzip innerhalb der Welt der Phänomene bezeugt werden kann.

Zwei Beispiele:
Ein Photoapparat kann von allem im Universum Bilder machen (vorausgesetzt, die richtigen Linsen sind vorhanden), ausser vom Film selbst, den er zur Belichtung benutzt.
Ein Hebel kann bei jedem anderen Objekt benutzt werden, ausser bei sich selbst.

(Es sei angemerkt, dass in den obigen Beispielen die Phänomene "Linse" und "Drehpunkt" eine besondere Rolle spielen. Ihre Funktion ist mit Gotamos "citta"-Konzept vergleichbar.)

Da dieses Gesetz in diesem Universum so grundlegend ist, muss es auch für die Beziehung zwischen "Selbst" und "Universum" gelten:

"Selbst" kann nicht über das Universum erfahren werden.

Jedes Streben, das "wahre Selbst" innerhalb dieser Welt zu finden, muss fehlschlagen und sehr wahrscheinlich in einem selbst-reflexivem Verschluss enden. Folglich ist Gotamos Methode, nicht-selbst (an-atta) zu erkennen, der einzige Weg zur vollkommenen Befreiung.

Wenn dieses einfache (jedoch feinsinnige) Prinzip angewandt wird, zerfällt augenblicklich eine grosse Anzahl von "Nirwana"-Behauptungen.

"Erleuchtung" ist zum Beispiel eine mentale Erfahrung (einer Lichtwelt). Dies kann nicht "selbst" sein, weil es erlebt wird. Ähnlich ist es mit der Wahrnehmung von "Leere oder Nichts", die mentale Prozesse sind und nicht mit dem Selbst gleichgesetzt werden können.
Anmerkung: Letztere Wahrnehmung hat einige tückische Fallen und ist dem Nihilismus gefährlich nahe, der Gotamo zufolge "... die schmutzigste von allen Hüllen ist." (Des Verstandes.)

Vielen zeitgenössischen "Erleuchtungs"- oder "Klärungsprozessen" fehlt der Gesichtspunkt dieses grundlegenden Gesetzes. Das Ergebnis davon ist eine Person, die in einem Stadium Halt macht, indem sie nichts wahrnehmen kann von dem sie denkt, dass sie es nicht ist.

Eine Person kann nur Dinge als therapeutischen Prozess laufen (selbst oder mithilfe von jemandem), die sie als verschieden von sich selbst erkennen kann. Selbst wenn die Person durch die Gesichtspunkte anderer - die behaupten, Entitäten und Schaltkreise seien existent - indoktriniert wurde obwohl die Person keine erkennt, wird die Person den Prozess nur in dem Masse korrekt laufen wie sie lernt, "nicht-selbst"-Merkmale während des Prozess-Laufens zu erkennen.

Schlimmstenfalls wird die Person das als vorhanden hinstellen, was sie durch ihre Indoktrination als vorhanden erwartet. Jetzt hat die Person zum Eigenen etwas Falsches hinzugefügt - zum alten Fall.

Die meisten dieser Fallen können vermieden werden, indem das "an-atta"-Prinzip in Programmen dieser Art integriert wird.

Wegen der grundlegenden Bedeutung ist der Grad der Wahrnehmung der Welt und ihrer Phänomene als nicht-selbst der Wendepunkt für ein Wesen. Wenn das Wesen den "anatta"-Blick bis zu einem gewissen Grad erkannt hat, gibt es kein Zurück. Daher ist das Überschreiten dieser Schwelle das ausdrückliche Ziel, das Gotamo seinen Zuhörern gesetzt hat.

Auf jeder Stufe löst der "anatta-Blick" oder die "Wahrnehmung von nicht-selbst" Identifikationen des Wesens mit Dingen auf, die sich von ihm unterscheiden. Darum bringt diese Methode in jeder Situation Vorteile, selbst im Ingenieurswesen und in der modernen Wissenschaft.

Aus "The Little purple Notebook"
von Maximilian Sandor


Wenn ich obigen Artikel richtig verstanden habe, so heisst das:

Der Beobachter kann alles beobachten, aber nicht sich selbst.

Das Wesen - das jeder im Grunde ist - kann sich nicht selbst erkennen.

Es kann NUR erkennen, was es NICHT ist.
Damit werden Identifikationen aufgelöst

Als Schöpfer seiner Kreation ist es nicht diese Kreation.

Doch Vorsicht:
Sich selbst als Schöpfer sehen, könnte wieder eine Identifikation bewirken.
Auch das Ich-Gefühl/Ich-Bewusstsein ist meine Kreation aber es ist nicht ICH-Selbst.


Eine praktische Anwendung:

Oft hilft es Affirmationen/Mantren/Postulate anzuwenden um eine Einstellung besser realisieren zu können. Hier also ein paar Sätze als Anregung:

Ich erkenne,
ich bin nicht mein Körper. Mein Körper ist meine Kreation.
Ich erkenne,
ich bin nicht meine Gefühle. Meine Gefühle sind meine Kreation.
Ich erkenne,
ich bin nicht meine Gedanken. Mein Gedanken sind meine Kreation.
ich erkenne,
ich bin nicht Alles-was-ist. Alles-was-ist ist meine Kreation.