Hedonismus

Stellen wir uns in Gedanken ein grosses Gefängniss oder Gefangenenlager vor. Darin gibt es die einfachen Häftlinge, dann so etwas wie Oberhäftlige, dann Aufseher, Oberaufseher, Generalaufseher u.s.w. - eben eine ganze Hierarchie.
Je höher nun einer in der Hierarchie steht desto grösser sind seine Privilegien. Der Oberhäftling bekommt besseres Essen als der Häftling u.s.w
Und dieses Gefängnisslager existiert schon sehr, sehr lange.

Die Frage die uns hier interessiert ist, welche Stufe in der Verwaltungs- oder Machthierarchie den grössten Wunsch verspüren wird das Gefängniss zu verlassen, vielleicht sogar einen Ausbruchsversuch zu wagen?
Den Häftligen geht es viel schlechter als dem Generalaufseher. Wird also der Häftling eher den Wunsh verspüren auszubrechen, als der Generalaufseher?
Ich denke im allgemeinen, ja.
Dem Generalaufseher geht es viel zu gut, als dass er den Wunsch verspüren würde, das Gefängniss zu verlassen. Er vergleicht seinen Zustand mit dem der anderen und relativ geht es ihm wirklich am Besten. Ja, er wird sogar den Wunsch haben, diesen Zustand aufrechtzuerhalten und den Fortbestand des Gefängnisses zu erhalten.
Dem einfachen Häftling geht es dagegen am schlechtesten, wie er im Vergleich mit den anderen Chargen immer wieder erleben kann.
Wir kommen also zu folgender Feststellung:

Je schlechter es jemand geht, desto eher wird er den Wunsch verspüren aus seiner Situation auszubrechen, aber er ist am wenigsten fähig dazu, da er am untere Ende der Fähigkeitspyramide steht.

Je besser es jemand geht, desto weniger wir er den Wunsch verspüren aus dieser Situation auszubrechen, ja er wird sogar versuchen sie zu erhalten. Dabei wäre er derjenige der am ehesten die Fähigkeiten und Möglichkeiten dazu hätte.

Ein Leben besteht aus Geburt, Jugend, Erwachsen sein, Alter, Tod. Und viele solche Leben laufen nach einem zyklischen Schema ab, dem Rad der 84, wie es in der indischen Kosmologie heisst. Es gibt Leben wo man sich auf der Höhe des Rades befindet und es einem gut geht und es gibt Leben am unteren Ende, wo man unter den schlechtesten Bedingungen leben muss. Das Leben ist Veränderung und es verläuft zyklisch. Die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Wenn man nun annimt, dass dies ein Gefangenenplanet ist, ein riesiges Gefängniss, wo alle Insassen dem Rad der 84 unterworfen sind und darauf obige Erkenntnis anwendet, so sieht man wie schwierig es sein wird auszubrechen.

Geht es jemand in einem Leben gut, so gibt es keine Notwendigkeit dafür, obwohl man eventuell die Fähigkeit hätte.
Geht es jemand in einem Leben schlecht, so möchte er ausbrechen, kann das aber auf Grund mangelnder Möglichkeiten nicht.
Und so wiederholt sich der Zyklus endlos.

(Dies setzt implizit voraus, dass es die Möglichkeit eines Ausstiegs aus diesem Zyklus gibt.
Man muss also zuerst erkennen, dass man sich in einem Gefängniss befindet und annehmen, dass es die Möglichkeit gibt die Verstanndesmatrix zu transzendieren.)

Nun habe ich aber immer noch nicht erklärt, was das alles mit Hedonismus zu tun hat. Hedonismus ist ganz kurz gesagt die Lebenseinstellung in den Tag hineinzuleben, nur nach seinem Vergnügen zu trachten und sich um nichts sonst zu kümmern.
Es ist der Drang unentwegt etwas erleben zu müssen und natürlich soll es etwas Interessantes oder Schönes sein.
So will man "shopping" gehen und Dinge erwerben, die man eigentlich garnicht braucht. Oder jedes Jahr zweimal in Urlaub fahren, weil das zur Gewohnheit geworden ist.
Hedonismus kann primitive Formen haben, wie der Drang nach immer raffinierteren Formen von Sex, er kann feinere Formen annehmen, wie der Drang nach mehr Macht, Einfluss oder sogar künstlerischer Kretivität, im Erschaffen immer schönerer Welten.

Eine rein hedonistische Lebenshaltung liegt also dann vor, wenn man sein Bewusstsein nur und ausschliesslich darauf ausrichtet etwas Positives erleben zu wollen.

Nun soll hier keinesfalls die Absicht schöne Dinge erleben zu wollen abgewertet werden.
Der Mensch braucht Freude und Erholung, er braucht Entspannung und Freude, so notwenig wie die Luft.

Aber das darf nicht zum Selbstzweck werden.

Und das ist meistens der Fall.

Wieviel deiner Aufmerksamkeit bist du fähig auf spirituelle Angelegenheiten zu richten?
Wie gross ist der Teil, der auf das Verschönern des Gefängnisses gerichtete ist und wie gross der Teil der entkommen möchte?

Ein Teil des Guten, das man im positiven Teil des Zyklus erlebt, sollte also unbedingt zum Ausstiegsversuch abgezweigt werden.

Geschieht das nicht, so wird sich das Rad weiterdrehen und man kommt in späteren Leben wieder in die Bereiche wo man Leiden muss ohne grosse Fähigkeiten eines Ausstiegs aus diesem Rad der 84 zu besitzen.

Deswegen ist eine rein hedonistische Lebenseinstellung eine Falle.